Helene Hegemann: Alles nur geklaut?

Geschrieben von Dr. Books am 8. Februar 2010 | Abgelegt unter Über Autoren

Die Berliner Autorin Helene Hegeman, gerade mal 17 Jahre alt, steht mit ihrem Roman “Axolotl Roadkill” auf Platz 5 der Spiegel-Bestsellerliste. Sie ist das literarische Wunderkind der Saison, gehypt vom Feuilleton, das gern minderjährige Wunderkinder erfindet – und dann auch schnell wieder vergisst. Oder erinnert sich noch jemand an Benjamin Lebert (”Crazy”) und Zoe Jenny (”Das Blütenstaubzimmer”), zwei Jungstars von ehedem?

Dass der Verkaufserfolg von “Axolotl Roadkill” sich einzig der Medienpräsenz der Autorin verdankt, muss jedem klar werden, der auch nur zwei Seiten in dem so genannten “Roman” blättert. Es geht ums Partymachen, “Scheiß Bürger”, “Scheiß Kapitalismus”, Drogen, Ficken, Transen – kurz alles, was biedere Rezensenten gesetzten Alters elektrisiert, weil sie es für verwegen und also künstlerisch halten. In Wahrheit ist es nichts als der banale Alltag einer Berliner Göre,  die in einem Spiegel-Interview aufmerksamkeitsstark damit kokettierte, “ein gestörrter Jugendlicher” zu sein.

Nun sieht es so aus, als sei nicht nur Helene Hegemann eine Erfindung, sondern auch ihr Text – präziser: ein Plagiat. Zumindest hat die Autorin zugeben müssen, gänzlich unverbrämt aus dem Blog “Strobo – Technoprosa aus dem Berghain” abgeschrieben zu haben. Aber “höchstens eine Seite”, beschwichtigt Hegemann. Ihr Verlag indes, Ullstein, zeigt sich alarmiert und will nun nachträglich die Nutzungsrechte vom Berliner Kleinverlag SuKuLTur erwerben, wo “Strobo” im Spätsommer 2009 erschienen ist.

Cover des Romans "Strobo" von Airen

Fast jeder Autor, der einen Publikumserfolg erzielt, sieht sich über kurz oder lang, zu recht oder zu unrecht, Plagiatsvorwürfen ausgesetzt. Bei Hegemann freilich scheinen die Vorwürfe zuzutreffen. Und der Umfang der abgeschriebenen Textteile scheint nicht unerheblich zu sein.

Peinlich. Denn etwas voreilig hatte ihr die Rezensentengemeinde schon den Lorbeer geflochten, sollte Hegemann auf der Leipziger Buchmesse noch viel größer rauskommen. Anlässe dafür gibt es nun immer weniger, nachdem sich selbst der Verdacht schriftstellerischen Talents als unbegründet erwiesen hat. Dabei kommt die Enthüllung nicht wirklich überraschend. Schon früher hat Hegemann in einem Interview gesagt, sie plündere „total schonungslos meine Freunde, Filmemacher, andere Autoren und auch mich selbst“.

Die Jungautorin Helene Hegemann ist also gottlob nicht mehr als bloß ein Kind ihrer Zeit, der Copy-And-Paste-Generation. Es gebe “keine Originalität mehr”, wird sie zitiert, “sondern nur Echtheit”. Den Unterschied dürfte wohl nur ein literarisches Wunderkind begreifen.

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