FAZ-Literaturchefin findet Hegemanns Abschreiben okay

Geschrieben von Dr. Books am 9. Februar 2010 | Abgelegt unter Über Autoren

Und wieder fällt ein Vorurteil in sich zusammen: Sonntag enttarnte sich das vermeintliche literarische Wunderkind Helene Hegemann als fröhliche Kopistin. Nun liefert die Literaturchefin Felicitas von Lovenberg den Beweis, dass sich hinter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung keineswegs immer ein kluger Kopf verbergen muss.

In einem Beitrag zum Hegemann-Affärchen bricht sie eine Lanze für die “so junge und so begabte” Autorin. Sie habe sich keines dreisten Ideenklaus schuldig gemacht, sondern nur das getan, was nach Ansicht von Frau Lovenberg alle Inhalteproduzenten im Internet tun: “Sich mehr oder weniger ungeniert bei anderen … bedienen und das dann Inspiration … nennen”. Dies sei, so doziert Frau Lovenberg fort, “die moderne Form der webbasierten Intertextualität.”

Also einen Haken hinter? Nach Meinung von Frau Lovenberg schon. Schließlich herrsche im Internet “in Urheberrechtsfragen nur Chaos”. Soll man also Verständnis haben für Helene Hegemanns Einstellung, als Künstlerin müsse sie sich ablösen “von diesem ganzen Urheberrechtsexzess”; es gebe ein “Recht zum Kopieren und zur Transformation“.

Niemand käme auf die Idee, den Rezensenten der FAZ eine Humorkompetenz zuzubilligen. Deshalb muss man davon ausgehen, dass Frau Lovenberg allen Ernstes das Plagiat als ein Stilmerkmal der zeitgenössischen Literatur akzeptiert. “In der Zeit Googles”, liest man bei ihr, “ist es in der Tat schwierig, eigene Inspirationen von fremden zu unterscheiden – darauf basiert die ganze Idee der social media.”

Fast tut es weh, wenn man ansieht, wie sich die FAZ-Literaturchefin um Kopf und Kragen schreibt: Einmal weil sie das spätpubertäre Pamphlet “Axolotl Roadkill” in den Rang von Literatur stilisiert, andererseits weil sie ein mehr als schräges Verständnis vom Publizieren im Internet offenbart. Auch der Mediendienst meedia.de wundert sich und resümiert, für Frau Lovenberg ist nicht die Autorin, “sondern das Internet an allem schuld”.

Eine verkehrte Welt. Dazu passt der Schlusssatz in Lovenbergs Artikel. Man dürfe gespannt sein, wie Airen, der kopierte und bislang schweigende Autor, sich zu dem Vorfall äußern wird: “Vielleicht ist er ja einfach dankbar für die Aufmerksamkeit, die sein Roman jetzt findet.”

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