Wie alt werden Bücher?

Geschrieben von Dr. Books am 25. Oktober 2009 | Abgelegt unter Leser fragen, Dr. Books antwortet

A.S. aus B. fragt, wie alt Bücher werden können? – Das älteste Buch, in dem neben dem Lateinischen auch erstmals die althochdeutsche Sprache verwandt wurde, hat ein Geistlicher im späten 8. Jahrhundert transkribiert. „Abrogans deutsch“ wird die Rarität genannt, ein Synonyme-Buch für den Grammatikunterricht. Mehr als 1200 Jahre alt.

Ältestes Buch mit deutschen Wörtern: Abrogans deutsch

Industriell gefertigte Bücher werden nicht so alt. Ein verbreitetes Leiden: Säurefraß. Der Grund: Der Leim, der ab etwa 1850 verwendet wurde, war säurehaltig. Die Folge: Das saure Papier löst sich auf. Modernen Recyclingpapieren wird ein Alter von 30 Jahren vorausgesagt – dann sind sie futsch. Notizen auf Telefaxpapier sind, je nach Sonneneinstrahlung, bisweilen schon nach einem Jahr völlig unlesbar.

Die Bibliotheken versuchen den Schwund zu bremsen. Zeitgenössischen Speichermedien ist in der Regel ein sehr viel kürzeres Leben beschieden. Disketten, die noch vor wenigen Jahren üblich waren, sind nach sieben Jahren nicht mehr lesbar. Daten, die man am heimischen Computer auf CD brennt, können schon nach fünf Jahren unzugänglich sein. Den Festplatten sagen Experten eine Haltbarkeit von vielleicht 30 Jahren voraus.

Wer also der Meinung ist, man könne durch Digitalisierung Bücherinhalte unsterblich machen, der irrt. Trotzdem sind Bibliotheken in aller Welt schon seit Jahrzehnten dabei, ihre Bestände auf Mikrofilmen zu konservieren – und danach die Originale wegzuwerfen, um Platz im Depot zu schaffen. Seither existieren zum Beispiel die ältesten und seltensten Zeitschriften in der amerikanischen Library of Congress nur noch auf Mikrofilmen. Und diese sind zum Teil zerkratzt, fleckig, die Aufnahmen sind am Rand beschnitten, so dass man nur Teile der Seite lesen kann – oder es fehlen Seiten völlig.

Selbst bei optimaler Lagerung und wenn kein Nutzer die Mikrofilme je berührt, sind auch diese nicht unendlich haltbar. Im günstigsten Fall, so die Fachleute, überstehen sie vielleicht 1000 Jahre – weniger als die Pergamentschwarte „Abrogans deutsch“ aus dem frühen Mittelalter.

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