Was ist Bookcrossing?

Geschrieben von Dr. Books am 14. November 2009 | Abgelegt unter Allgemein

Eine eigentümliche Spezies von Buchbesitzern hat ihren Spaß daran, ihre Bücher, wie sie es nennen;, „freizulassen“. Diese eigentümlichen Menschen vertreten im Internet die Parole  „Regalhaltung ist Bücherquälerei“ und vergleichen also voll gepferchte Bücherregale mit voll gepferchten Hühnerbatterien. Dieser Vergleich ist natürlich zynisch. Und die eigentümlichen Menschen, die sich als Retter von Büchern stilisieren, die angeblich ein bejammernswertes Schicksal in drangvoller Regal-Enge fristen würden – diese Menschen handeln selbst, wenn nicht verwerflich, so doch zumindest fragwürdig: Denn sie lassen die Bücher nicht frei, sie setzen sie vielmehr aus und überlassen sie einem ungewissen Schicksal.

Bookcrossing

Wann immer Menschen eine Passion teilen, gründen sie einen Verein. Jene, die mit Absicht ihre Bücher in Arztpraxen iegenlassen, in Behördenfluren, Uni-Mensen und auf Schulhöfen, nennen sich BookCrosser. Ihren Stammtisch haben sie im Internet. Dort scharen sie sich um die Website www.bookcrossing.com. Mehr als 800.000 „BXers“ sind  zur Zeit, also im September 2009, dort registriert.

Der aktivste BXer hat den Nickname „pilareau“, den echten Namen Paul Lareau und er wohnt in Little Canada, wobei dieser Ort nicht in Kanada liegt, sondern im US-Bundesstaat Minnesota. Lareau ist seit Juni 2001 praktizierender BXer und hat in dieser Zeit nach eigenen Angaben  25 000 Bücher „freigelassen“. Das sind, rein rechnerisch, mindestens zehn Bücher pro Tag! – Als bibliophiler Mensch fragt man sich natürlich: Woher hat der Mensch diese vielen Bücher? Ist er Millionär? Investmentbanker? Oder Orthopäde? Hortet er die in Generationen gesammelten Bücherschätze seiner vielleicht uralten und weit verzweigten Sippe? – Eine böse Ahnung kommt auf, wenn man auf Lareaus Website liest, dass er ein Pensionär sei – und früher als Bibliothekar ggearbeitet habe. – Da stellt man sich boshaft vor,  wie Lareaus Amtsnachfolger jetzt durch Little Canada irrt, um unter Parkbänken, in Waschsalons und an Buswartehäuschen die „freigelassenen“ Bücher der städtischen Bibliothek wieder einzufangen.

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